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Notgeld Siegen Kriegsgefangenengeld Gladbeck

Einem Sammler von Grubenlampen und alles was so aus dem Bergbau kommt, fallen natürlich auch Münzen und Geldscheine mit dem Bergbauemblem ins Auge. Kommt noch eine Geschichte z.B. zum Geldstück hinzu, wird es noch spannender. Darum hier einige Geldscheine aus dem Siegerland welche der Großvater als Zahlungsmittel besessen haben könnte.

Schlägel und Eisen in Verbindung mit einem Bergmann und Hüttenmann prägen das Notgeld im Siegerland. Es wurde herausgegeben vom Kreisausschuß des Kreises Siegen, dem Magistrat der Stadt Siegen, der Handelskammer Siegen und dem Berg- und Hüttenmännischen Verein.

Wieso gibt es eigentlich Notgeld? Einfach erklärt: Gegen Ende des ersten Weltkrieges wurden viele Münzen eingeschmolzen um Waffen daraus herzustellen. Anstelle der Münzen druckten Städte und auch Firmen Geldscheine. Je weniger man für das Geld bekam, desto größere Summen wurden auf die Geldscheine gedruckt.

Diese Situation verschlimmerte sich nach Ende des ersten Weltkrieges. Der Staat musste Kriegsschulden bezahlen (Reparationen) und verschuldete sich immer mehr.

Was kosten 10 Eier ? oder was muss ich für 10 Eier zahlen, wenn das Geld immer weniger wert ist.

Feb. 1920: 4 Mark

Juli 1920: 8 Mark

Juli 1921: 16 Mark

Feb. 1922: 40 Mark

Okt. 1922: 318 Mark

Feb. 1923: 2800 Mark

April 1923: 3600 Mark

Mai 1923: 5200 Mark

Juni 1923: 8000 Mark

Aug. 1923: 500.000 Mark

Sept. 1923: 20.000.000 Mark (20 Millionen)

Okt. 1923: 19.500.000 000 Mark (19 Milliarden 500 Millionen)

Nach der Zahlungsunfähigkeit des Staates und der anschließenden Währungsreform wurde die Mark durch die Rentenmark und später die Reichsmark ersetzt.

100 000 000 000 - Einhundert Milliarden Mark, was für eine Summe auf dem Papier, was in Wirklichkeit nicht viel Wert war. Die Großeltern erzählten „Der Lohn wurde manchmal täglich ausgezahlt. Dann rannten die Leute zum Bäcker um für diese Summe noch ein Brot zu kaufen. Am nächsten Tag kostete das Brot schon das Doppelte“

P.S. In der Stadt Siegen gab es in den Jahren bis 1918 Münzen (Kriegsgeld Stadt Siegen) die für Bergbauinteressierte ohne Belang sind, da hierauf nur der Schriftzug und/oder das Wappen der Stadt Siegen zu sehen sind. Bilder auf Anfrage.


Kriegsgefangenengeld 1917 Gladbeck

Der Bereich Notgeld ist auch für den Sammler von Bergbaurelikten mit Schlägel & Eisen interessant. Bei den hier vorgestellten Münzen handelt es sich allerdings nicht um „Notgeld“ sondern um „Lagergeld“. Es stammt von einem Kriegsgefangenenlager des Ersten Weltkriegs in Gladbeck (Kreis Recklinghausen). Durch das eigens für die Gefangenenlager geprägte Geld, das sich von der normalen Währung unterschied, wollte man den Austausch mit der Außenwelt verhindern und die Fluchtgefahr eindämmen.

Zur Geschichte

Nach dem Beginn des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 wurden binnen kurzer Zeit 120 000 Bergarbeiter aus dem Ruhrgebiet zum Kriegsdienst eingezogen. Gleichzeitig stieg durch den Krieg der Bedarf an Kohle und Stahl. Um den Arbeitskräftemangel auszugleichen, wurden zunehmend Kriegsgefangene zum Arbeitsdienst rekrutiert. Darum errichtete 1915 die Bergbauinspektion auch in Gladbeck am Schacht 5 ein Kriegsgefangenenlager. Die Zahl der internierten Personen stieg von 397 im Jahre 1915 bis auf 907 im Jahre 1918 an. (Quelle LWL) Anmerkung: Vor einigen Jahren wurden durch Zufall ca. 34000 Münzen des Gefangenenlagers gefunden. Zusätzlich muss es noch Lagergeld in Papierform gegeben haben. Ich frage mich ob diese Menge an Geld nur für diese „wenigen“ Kriegsgefangenen bestimmt war und ob die Angaben über die Anzahl der Kriegsgefangenen stimmt.

Hier einige Münzen des Lagergeldes. Nicht abgebildet sind das 1, 2 und 5 Pfennig-Stück. Die „Löcher“ im 10 und 50 Pfennig-Stück dienten der besseren Unterscheidung. Das 5 Mark-Stück hat einen Durchmesser von 38 mm. Zudem gibt es noch weitere Unterscheidungsmerkmale. Frühere Münzen sind aus Zinn, besitzen einen leichten Messingüberzug und haben eine Seitenrändelung. Spätere Münzen sind aus Eisen.

Unterschiedliche Rückseiten der Münzen mit Schlägel & Eisen. Nach Ende des Krieges wurden die Kriegsgefangenen entlassen und das Gefangenengeld eingezogen. Die Vermutung liegt nahe, dass das Lagergeld aus Furcht vor den französischen und belgischen Besatzern versteckt wurde.

Weitere Informationen zum Ersten und Zweiten Weltkrieg finden Sie auf meiner Seite www.karl-heupel.de

Notgeld - Seite DRUCK.pdf

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notgeld.txt · Zuletzt geändert: 2013/12/30 16:11 von heupel