Bild: Fußgängerzone Wiesbaden, Karl Heupel 


"Stolpersteine" bald auch in Siegen

Die "Blue Box" hatte am Dienstagabend zur Einführungsveranstaltung ihres neuen Projektes eingeladen. Interessierte Gruppenleiter des Jugendzentrums Bertramplatz informierten sich über die "Stolpersteine". (WR-Bild: Irmine Skelnik)
Siegen. (IS) Das Kunstprojekt "Stolpersteine" soll nun auch in Siegen verwirklicht werden. Das Jugendzentrum Bertramplatz plant bis zum Sommer 2007 in Zusammenarbeit mit verschiedenen Jugendgruppen Einzelschicksale von Opfern des Nationalsozialismus lokal aufzuarbeiten und den Betroffenen Gedenksteine zu setzten.

"Wir wollen eine Zeitreise mit den Jugendlichen machen", erklärt Ralf Schumann, der Leiter der Blue Box und Initiator des Projektes in Siegen. Zusammen mit Andreas Unverzagt des Vereins "Style Fiasko" lud er am Dienstagabend zur Einführungsveranstaltung die interessierten Gruppenleiter ein.

Seit September wurden bereits über den Stadtjugendring Gruppen kontaktiert, die auch Interesse zeigten. So zum Beispiel die Pfadfindergruppe DPSG Peter und Paul, die sich unter der Leitung von Susanne Hermann zusammen mit 14- bis 16-Jährigen in ihrer wöchentlichen Stunde dem Thema des Nationalsozialismus aus lokaler Perspektive nähern will.

"Gerade die jüngere Generation sollte sich für dieses Thema interessieren", meint Andreas Unverzagt. "Aus dieser Zeit sollte jeder lernen", erklärt er darüber hinaus seine Entscheidung, diese Idee nach Siegen zu bringen. Für besonders geeignet hält er dieses Projekt, weil die Jugendlichen so von der trockenen, abstrakten Geschichtsstunde in der Schule einen direkten und vor allem auch lokalen Zugang zum Thema Nationalsozialismus erhalten.

Den ersten direkten Kontakt zu dieser Zeitepoche in Siegen konnten die Besucher dank Traute Fries aufbauen. Die Eltern der 62-Jährigen zogen 1933 in eine Wohnung im Haus der jüdischen Familie Frank an der Weidenauer Hauptstraße. Das Schicksal der Familie, die zum Teil in Konzentrationslagern ermordet wurde, ist seitdem in der Familie Fries verankert. So brachte Traute Fries verschiedene Dokumente, Briefe und Postkarten, die zum Teil im Konzentrationslager von den Franks verfasst worden sind, mit. Gerne erzählte sie den Interessierten auch die Geschichte der Franks.

Das Projekt "Stolpersteine" wurde 1997 von dem Kölner Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufen. Der Name ist auch Programm, denn die so genannten "Stolpersteine" ragen vor dem letzten freiwilligen Wohnort des jeweiligen Opfers aus dem Straßenpflaster heraus. Die verschiedenen Gruppen werden zusammen mit den Initiatoren verschiedene Stadtteile unter dem geschichtlichen Aspekt betrachten und sich dann näher mit einem einzelnen Schicksal befassen.

Dank der Stiftung "Demokratie im Alltag" werden auch finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt und Fahrten zu Gedenkstätten ermöglicht. Zurzeit wollen sich CVJM, DPGS, die Freie Evangelische Gemeinde und die Jugend der Feuerwehr beteiligen. Weitere interessierte Gruppen sind herzlich willkommen.


Quelle: Westfälische Rundschau    06.12.2006   

MedienZentrum Siegen-Wittgenstein      Karl Heupel Medienberater